Durch die sogenannte Flüchtlingskrise sahen und sehen sich viele Schulen mit der Aufgabe konfrontiert, Schülerinnen und Schüler zu unterrichten, die über wenige bis gar keine Deutschkenntnisse verfügen. Nicht einfacher wird das Unterrichten dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler verschiedene Muttersprachen sprechen und im Allgemeinen ganz unterschiedliche Vorkenntnisse mitbringen. Wie aber soll man in solchen Klassen unterrichten, in denen die Schüler und die Lehrer nicht die gleiche Sprache sprechen, Kommunikation also nur eingeschränkt möglich ist?


Die Antwort ist LieLa – kurz für Liechtenstein Languages. Hinter dem Begriff versteckt sich ein Programm, dass es den Unterrichtenden – ob nun Lehrer oder Ehrenamtliche - möglich macht, Migranten Grundkenntnisse der deutschen Sprache zu vermitteln, ohne auf gemeinsame Sprachkenntnisse zurückgreifen zu müssen. Dabei sind Unterrichtsplan und Materialien so ausgearbeitet, dass sich die Sprachtrainer ganz auf das Unterrichten konzentrieren können, da das Unterrichtskonzept bereits steht und alle Materialien – Arbeitsblätter, Poster etc. – bereits vorliegen. Trotzdem erfordert die erfolgreiche Umsetzung des Konzepts, dass die Sprachtrainer mit der Methode des „Neuen Lernens“ vertraut gemacht werden. Zu diesem Zwecke fanden im letzten und in diesem Jahr in Bochum sogenannte „Train the Trainers“-Kurse statt, in denen engagierte Lehrerinnen und Lehrer aller Bochumer Berufskollegs zu „Liela-Trainern“ ausgebildet wurden. In diesen Kursen erfuhren die Lehrer, was es heißt, eigene Grenzen zu überwinden, denn die Methode erfordert im wahrsten Sinne des Wortes den Einsatz des ganzen Körpers. Denn nur wer sich bewegt und aktiv ist – so eine der konzeptuellen Prämissen der Methode – kann erfolgreich lernen.

 

 


Circa ein Jahr nach dem die ersten Lehrer unserer Schule den „Train-the-Trainer“-Kurs absolviert haben, fand nun im äußerst pittoresken Liechtensteinischen Malbun (siehe Foto) vom 22. bis zum 24. Juni der 1. Kongress „Liechtenstein Languages“ statt. Die Ziele des Kongresses waren vielschichtig. Während im Rahmen von informativen Vorträgen beispielsweise Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen, Grundlagen der Suggestopädie und Migrationsszenarien erläutert wurden, konnten die Teilnehmer in praxisorientierten Workshops ihre Fertigkeiten im Umgang mit der Methode „Neues Lernen“ einüben, ausbauen und erweitern. Dabei war auch hier die thematische Bandbreite groß und erstreckte sich – um nur einen kleinen Auszug zu nennen - vom Mindmapping über den Einsatz von Handpuppen hin zum Umgang mit traumatisierten Schülern. Die Mutigsten konnten gar an einem Kletterturm lernen, die eigenen Grenzen zu erweitern.


Neben der thematischen Vielfalt, die jedem Teilnehmer ermöglichte, das für ihn Interessante und Nützlichste auszusuchen, und welche fachlich kompetent von durchweg sympathischen Moderatoren vermittelt wurde, muss an dieser Stelle auch der Lernort Erwähnung finden. Ein malerisches Bergdorf in ca. 1500 Metern Höhe bei Sonnenschein und Kuhglockengeläut machte so manchen Teilnehmer glauben, er oder sie sei direkt in einer Postkarte gelandet. Die Gastfreundschaft der Liechtensteiner vorgelebt und ausgedrückt von einem echten Prinzen, ein Abendessen auf 2000 Metern Höhe und ein verheißungsvolles Siegtor in letzter Sekunde sorgten ebenso für eine positive Arbeitsatmosphäre und motivierte Teilnehmer wie die beschriebene Ausgewogenheit des Kursangebots.


Zum Einsatz gebracht werden die Lerninhalte dann nach den Sommerferien, wenn eine neue Klasse mit der Methode „Neues Lernen“ an der TBS1 unterrichtet wird. Interessierte Kolleginnen und Kollegen sind schon jetzt eingeladen, den Unterricht zu besuchen und sich ein Bild von der praktischen Arbeit mit „Liela“ zu machen.